Artikel über uns in der Süddeutschen Zeitung
Letzte Woche erreichte mich eine nette E-Mail von einer Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, in der sie uns fragte, ob wir zu einem kleinen Interview für den Panorama Teil der Zeitung bereit wären, es ginge darum verschiedene Lebenssituationen von Familien in Deutschland zu beleuchten und sie wäre durch unser Blog zum Thema Patchwork-Familie auf uns gestoßen. Also schrieb ich zurück, dass ich das erst mit Steffi besprechen müsse, schließlich kann ich so etwas ja nicht alleine entscheiden, aber Steffi hatte nichts dagegen.
Dann ging alles sehr schnell: Ein Fotograf kam vorbei, schoss ein Familienfoto und dann gaben wir zusammen mit den Kindern telefonisch Auskunft über unsere Lebenssituation. Ich hatte den Eindruck, den Kindern hat es sogar Spaß gemacht, so ein Interview ist ja auch ein bischen Abenteuer. Es lief alles ohne Probleme und am Samstag war dann der Bericht mit Foto tatsächlich in der Süddeutschen auf Seite 11 zu lesen. Auch andere Familienformen wurden vorgestellt: Alleinerziehende, die Großfamilie und die “traditionelle” Familie – sehr lesenswert.
Der Artikel zeigt, dass sich die Familiensituation in den letzten Jahren stark verändert hat: Es existieren inzwischen viele unterschiedliche Familienformen neben der sogenannten “Kernfamilie”, was aber leider in vielen Köpfen noch nicht angekommen zu sein scheint, denn andere Familienformen als die “Kernfamilie” sind rechtlich schlechter gestellt. Es würde mich freuen, wenn dieses Manko durch eine geänderte Familien- und Gesellschaftspolitik behoben würde.
Derzeit werden die leiblichen Eltern immer in den Mittelpunkt der Familienpolitik gestellt, was auch absolut richtig ist, wenn die Umstände stimmen, sprich: Wenn getrenntlebende Eltern sich um das gemeinsame Kind ordentlich kümmern und sich dem Kind gegenüber fair verhalten, dann passen die aktuellen Regelungen z.B. mit der Steuerkarte sehr gut. Aber leider ist es eben nicht immer so, dass dies zutrifft. Da gibt es Elternteile, die sich weigern Unterhalt zu zahlen, da gibt es Elternteile, die das Kind gegen den ehemaligen Partner aufhetzen, oder gar schlecht behandeln und mehr, was meiner Erfahrung nach dazu führt, dass sich das Kind an die “neue” Familie stärker bindet, denn Kinder sind ja nicht doof und wissen letztendlich, was für sie besser ist. Tritt eine solche Situation ein, dann sind die aktuellen Regelungen für die Katz, weil der “neue Elternteil” rechtlich nicht als Elternteil gesehen wird, er es aber innerhalb der Familie durchaus sein kann und so bewertet wird. Zudem trägt der “neue Elternteil” ja auch zur finanziellen Absicherung und zu einem geordneten Familienleben bei. Dem wird nicht Rechnung getragen.
Ich gebe zu, es ist schwierig zu beurteilen, wann eine alternative Familienform wie die Patchwork-Familie, auch rechtlich als Familie gesehen werden kann, weil es für das Gefühl “Familie” sehr viele unterschiedliche und damit letztendlich keine Kriterien gibt. Eine große Aufgabe für die Familienpolitik der nächsten Jahre, nur leider befürchte ich, dass wieder der einfach Weg gegangen wird, denn das sind die aktuellen Regelungen: Einfach. Es wird etwas objektiv betrachtet, was nicht objektiv zu betrachten ist.
Schwierig, schwierig, … wir werden sehen.


