Braucht Infotainment in Print und TV eine FSK Freigabe?

Mittwoch, 25 November 2009, 16:00 | Kategorie: Erziehung, Problematisch | Von: Marc
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Unter Infotainment versteht man laut Wikipedia die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und Scheinwissen, das den Anspruch erhebt, Bildungsbestandteil zu sein. Eine ziemlich treffende Beschreibung, wenn ich mir Formate wie Galileo, Wunderwelt Wissen, Welt der Wunder oder ähnliches betrachte. Wenn es beim reinen Infotainment, also der unterhaltsamen Präsentation von wissenschaftlichen Fakten, bleiben würde, dann hätte diese Form der Unterhaltung wirklich eine Existenzberechtigung. Ein positives Beispiel für eine gelungene und ausgewogene Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung ist in meinen Augen die Sendung Quarks und Co. Wo wir auch schon bei des Pudels Kern sind.

Unser jüngstes Patchwork-Familien Mitglied (10 Jahre) ist aufgeweckt, neugierig und wissbegierig und schaut deswegen gerne die oben genannten Sendungen. Leider kann er in seinem Alter aber noch nicht so gut differenzieren, was man von den Dingen, die da so verzapft werden besser nicht ernst nimmt. Wenn diese schrecklichen Infotainment-Magazine nun berichten, dass 2012 möglicherweise die Welt unter geht, oder dass es in Deutschland ein großes Erdbeben geben wird, oder ein Wirbelsturm über uns hereinbrechen wird, dann nimmt sich der Kleine das zu Herzen. Erst gestern Abend stand er nach dem zu Bett gehen nochmal auf, kam zu uns ins Schlafzimmer und sagte uns, er könne nicht schlafen, weil er sich Sorgen machen würde, das 2012 die Welt untergehen wird. Ich konnte ihn dann recht schnell davon überzeugen, dass er sich nicht Sorgen müsse, indem ich ihm in etwa erzählte, was ich hier als Glosse formuliert habe, also die schlichte Tatsache, dass die Welt schon ziemlich oft untergehen sollte und es nie passiert ist. Das hat er glücklicherweise sofort verstanden, aber bei anderen von Galileo und Co verbreiteten Horror-Szenarien war es teilweise schwieriger ihn davon zu überzeugen, dass es sich dabei einfach um Bullshit handelt.

Das Thema kann aber nicht eindimensional betrachtet werden, da die Eltern ja in der Hand haben, was die Kinder sich im Fernsehen ansehen, oder welche Zeitschriften sie lesen. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Dabei gibt es verschiedene mögliche Ansätze: Entweder das Anschauen gewisser Sendungen nicht erlauben – mit entsprechender nachvollziehbarer Begründung, oder es tolerieren und die schwierigen Themen gemeinsam reflektieren. Ob nun das eine oder das andere richtig ist, vermag ich nicht zu beurteilen, das hängt von zu vielen Kriterien und den beteiligten Menschen ab. Bei uns wird jedenfalls, auch wenn es nicht immer einfach ist, kritisch reflektiert, erklärt und erläutert. Es wäre mir zwar lieber, der Kleine würde erkennen, dass diese Formate mehr unterhaltenden als bildenden Charakter haben, aber vielleicht braucht es dazu einfach noch Zeit und mehr Reife.

Trotzdem erlaubt das Thema die Frage, ob diese Infotainment-Formate eigentlich einer FSK-Prüfung standhalten würden. Die FSK (Freiwillige Kontrolle der Filmwirtschaft) geht erst ab einem Alter von 16 Jahren von einer entwickelten Medienkompetenz aus. FSK ab 16 eingestufte Inhalte dürfen im deutschen Fernsehen erst ab 22 Uhr gezeigt werden, FSK ab 12 Inhalte erst ab 20 Uhr. Die oben angesprochenen Magazine laufen vor 20 Uhr, demnach wären Sie für alle Altergruppen geeignet, denn Sendungen ohne Altersbeschränkung und auch Sendungen ab 6 Jahren dürfen zu jeder Tages- und Nachtzeit gezeigt werden.

Ob die genannten Infotainment-Magazine wirklich keine Alterbeschränkung bekämen, bezweifele ich.

Vorwerfen kann man den Produzenten dieser Formate allerdings nur die etwas unterirdische Qualität, die letztendlich aber auch Geschmackssache ist. Medienerziehung ist und bleibt – eine sehr wichtige – Sache der Eltern und nicht die der Fernsehsender. Trotzdem wäre etwas mehr “Info” und weniger “tainment” in meinen Augen wünschenswert. Es schauen schließlich auch Kinder zu.

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