Der steinige Weg zur Umschulung

Montag, 8 Juni 2009, 16:33 | Kategorie: Umschulung | Von: Marc
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Da Steffi keine Chance hat in ihrem alten Beruf noch Fuß zu fassen und die Kinder nun erstmalig in dem Alter sind, wo mit Hilfe der offenen Ganztagsschule eine Umschulung möglich wird, hat sie seit Anfang des Jahres eine Umschulung zur IT Systemkauffrau angestrebt. Nach einigem Warten wurde Sie dann zum psychologischen Dienst eingeladen, wo geprüft wurde, ob sie überhaupt geeignet ist diesen Weg einzuschlagen. Das Ergebnis war sehr gut und die Umschulung wurde vom Amt genehmigt und sie wurde zur Unterschrift gebeten. Doch leider trat etwas ein, das wir nicht erwartet hatten.

Die Freude war natürlich erstmal groß, endlich wieder eine berufliche Zukunft, doch kurz nachdem Steffi ihre Unterschrift geleistet hatte, bekam sie einen Anruf, sie solle nochmal auf dem Amt vorbeisehen, warum wollte ihr der Sachbearbeiter am Telefon nicht sagen. Erneut im Amt angekommen wurde ihr dann eröffnet, dass der Amtsleiter die Umschulungsmaßnahme nicht genehmigen könnte, da einen Tag zuvor ein Rundschreiben eingetroffen war, welches untersage diese Umschulungen weiter zur finanzieren, die Töpfe seien leer. Als Alternative wurde ihr eine Umschulung zur Bürokauffrau angeboten. Die Trauer und Wut darüber war natürlich sehr groß.

Es ist schon seltsam: Da wird eine Arbeitslose lieber in eine sinnlose Umschulung gesteckt, mit der sie nach Vollendung in unseren Breiten garantiert auch keinen Job findet und somit wieder in Hartz 4 landet, als in sinnvolle Weiterbildung zu investieren. Dabei ist die Umschulung zur Bürokauffrau nur unwesentlich billiger, wird aber von Einrichtungen im Märkischen Kreis und nicht in Dortmund durchgeführt. Wir haben es so verstanden, dass nur noch Weiterbildungen im Kreis genehmigt werden können, warum auch immer…?

Nachdem Steffi den Rückschlag verkaftet und sich wieder etwas gefangen hatte, suchte sie sich im Internet die E-Mail Adresse des Leiters der Agentur für Arbeit Iserlohn heraus und schilderte ihm sachlich und ruhig ihre Situation und ihre persönliche Enttäuschung und fragte zusätzlich nach, ob er nicht doch eine Möglichkeit sähe diese Umschulung irgendwie zu ermöglichen. Sie schilderte auch detailliert warum diese Umschulung ihrer Meinung nach genau das richtige wäre und das sie in der Alternative “Bürokauffrau” in unserem Bereich keinerlei Chancen sieht.

Drei Wochen hörten wir nichts, dann kam eine E-Mail, dass uns leider aufgrund eines Urlaubs nicht früher geantwortet werden konnte, man sich der Sache aber nun annehmen werden.

Einen Tag später kam dann noch eine Mail: “Bitte setzen Sie sich mit Ihrem Arbeitsvermittler in Verbindung, ich glaube er hat gute Neuigkeiten für Sie.”

Und tatsächlich: Die Umschulung wurde nun doch noch genehmigt. Es geht doch!

Einmal im System Hartz 4 gefangen, ist es unter bestimmten Rahmenbedingungen schwierig diesem wieder zu entkommen. Es lohnt sich zu kämpfen, dranzubleiben, Dinge zu hinterfragen, nicht aufzugeben, nichts unversucht zu lassen.

Wer den Kopf in den Sand steckt, der kann nur noch im Kreis laufen und tritt auf der Stelle.

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5 Kommentare zu “Der steinige Weg zur Umschulung”

  1. 1sell0r

    Das ist ja toll daß das nun doch noch geklappt hat. Freut mich. Wieder ein wunderschönes Beispiel dafür daß wenn man sich auf Arbeitsagentur und Co. blind verlässt, man recht schnell ziemlich verlassen ist.

    oO 2 ITler im Haushalt. Nerdfamilie incoming ;)

  2. 2Ernie Trölf

    Ich habe auch eine Umschulung hinter mir. Diese Maßnahme durchzudrücken war damals schon quasi ein Vollzeitjob für mich. Aber auch ich hatte nach vielen “Kämpfen” erfolg und weder ich, noch das Arbeitsamt (damals hies es noch so) haben es bis heute bereuen müssen. ;-)
    Ich hatte irgendwann meine Sachbearbeiterin zu einem Deal bewegen können: Entweder ich finde innerhalb von drei (!) Tagen einen Ausbildungsplatz zum Fotografen, denn angeblich gab es keine freie Ausbildungsplätz in diesem Beruf, oder ich würde eben wiederwillig die Ausbildung zu dem von der Arbeitsamt-Software errechneten “Traumberuf” Koch antreten müssen. Vier Stunden Später hatte ich einen Ausbildungsplatz. Bin auf der Heimfahrt vom Arbeitsamt einfach in jedes Fotostudio gestiefelt, habe denen ein paar meiner Fotografien gezeigt, die ich in der Dunkelkammer selbst entwickelt hatte, und meine Story erzählt. Keine Bewerbung, keine Zeugnisse und schon der vierte Versuch war ein Volltreffer.

    Das war nur eine von vielen komischen und Nervenaufreibenden Geschichten, die ich in dieser Zeit mit dem Amt erlebt habe. Möchte ich nicht nochmal durchmachen müssen.

    Glück gehabt, das Steffi die Umschulung anfang des Jahres beantragt hat, denn im Herbst im sind die Töpfe endgültig leer und man hat überhaupt keine Chance mehr. So sagte es mir kürzlich eine Sachbearbeiterin von der A.f.A.

  3. 3Marc

    Was Steffi mir manchmal so vom Amt erzählt ist schon wahrlich suspekt. Ohne Eigeninitiative geht wirklich nichts, was ja auch deine Geschichte beweist.

  4. 4Kommunalfahrzeuge

    Das Arbeitsamt sollte sich die Postgebühren für die Vermittlungsangebote sparen, da ist eh nur Müll dabei. Was ich schlimm finde, es kommen nur noch Angebote von Zeitarbeitsfirmen. Ich dachte immer Sklaverei sei in der heutigen Zeit verboten.

  5. 5Notebook Teile

    Das mit den Zeitarbeitsfirmen vom Arbeitsamt wird immer schlimmer, kaum noch Angebote von Betrieben. Da wirds einem echt schlecht.

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