Die Ubermamas und Ubersekretärinnen und der Kontrollwahn der Gesellschaft

Donnerstag, 10 Dezember 2009, 15:58 | Kategorie: Erziehung | Von: Marc
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Früher war das doch so: Wenn ein Kind krank war, dann ist es einfach nicht in die Schule gegangen. Anrufen? Wie denn, in Zeiten, in denen noch nicht jeder Haushalt über ein Telefon verfügte. Bei erfolgter Gesundung wurde dem Kind eine Entschuldigung geschrieben, diese wurde im Sekretariat der Schule abgegeben und alles war gut.

Heute hingegen fordern die Schulen ein, dass angerufen wird, sollte das Kind nicht zur Schule kommen können. Soweit so gut und kein Problem. Aber wenn ein Kind aufgrund von Grippewellen über ein paar Wochen des öfteren krank ist, dann darf man sich von den Ubersekretärinnen inzwischen schon ein genervtes und unterschwellig anklagendes “und warum diesmal?” anhören. “Hallo? Geht dich das vielleicht einen Scheißdreck an? Wenn mein Kind krank ist, dann ist es krank!”, möchte man dann gerne sagen. Dieser abfällige Ton vom Fräulein im Ubersekretariat muss echt nicht sein. Mit drei Kindern hat man doch gerade im Herbst genug um die Ohren, als das irgendwelche Menschen das Recht hätten die Eltern dafür zu verurteilen, dass ein Kind eine Grippe, Halsschermzen, oder Brech-Durchfall hat.

Und dann gibt’s da auch noch die Spezies Ubermama, das sind die Mütter, deren Kindern mit 3 Monaten schon laufen, bis 100 zählen und alleine auf’s Töpfchen gehen konnten. Das sind die Mütter, die immer von oben herab auf die Erziehungsmethoden anderer schauen, denn nur die eigenen meist sehr engen Methoden sind ja die richtigen. Das wichtigste für die Ubermama ist, dass ihr Kind den eigenen Vorstellungen entspricht, die Wünsche des Kindes werden geflissentlich ignoriert und das Kind in die Schubladendenkstrukturen von Ubermama gepresst. Was aus diesen Kindern mal wird? Entweder saucoole Rebellen, weil sie irgendwann kapieren, dass Ubermama falsch lag, als sie sagte, dass Jungs nicht mit Puppen und Mädchen nicht mit Spielzeugautos spielen, oder sie treten mit 16 der Jungen Union bei und werden genauso spießig wie ihre Eltern. Letzteres wird aber wohl häufiger der Fall sein, denn ich konnte schon einige Male beobachten, dass die Kinder der Ubermamas ganz gerne mal andere Kinder dissen und genau so von oben herab behandeln, wie die Eltern das bei manch anderem Erwachsenen machen. Gelernt ist eben gelernt.

Ich denke, wir leben inzwischen in einer Gesellschaft, die in weiten Teilen einem Kontrollzwang unterliegt. Manchmal machen diese Kontrollen durchaus Sinn, z.B. bei Lebensmitteln oder Spielsachen, aber viele Kontrollen sind künstlich und aufgesetzt, unnötig, werden nur scheinbar gebraucht. Grund könnte die ständige Erreibarkeit und stärkere Vernetzung durch neue Medien sein. Wenn das Kind krank ist und die Eltern die Schule nicht informieren, dann kommt hinterher die anklagende Frage: “Warum haben Sie denn nicht angerufen, haben Sie kein Händie?”.
Und die Ubermuttis unterwerfen sich dem Kontollzwang, weil sie eingefahrene Strukturen als Wahrheiten wahrnehmen, denn man macht ja dies nicht, und jenes erst recht nicht. Das hat sie ja mal in einem Erziehungsratgeber aus den 70ern gelesen. Was dabei auf der Strecke bleibt? Die Kinder, der soziale Zusammenhalt, die Freiheit.

Auch der EU-Bürokratismus steuert seinen Teil dazu bei. Jetzt sollen deutsche Bäcker dazu gezwungen werden nur noch eine bestimmte Menge Salz im Brot verwenden zu dürfen.

Komisch, jetzt esse ich schon seit 32 Jahren Brot und ich lebe noch. Wie konnte das nur passieren? Überhaupt frage ich mich, wie aus mir etwas werden konnte, wo doch meine Mama nicht in der Schule angerufen hat, wenn ich krank war, und auch nichts dagegen hatte, dass ich mit meiner Schwester zusammen mit ihrem Puppenhaus gespielt habe. Und scheiße, ich war ein schwieriges Kind, aber holla. Aber vielleicht hat’s bei mir letztendlich gut hingenhauen, weil ich eben keine Ubermama und auch keinen Uberpapa habe. Und vielleicht, weil es damals noch keine Ubersekretärinnen gab.

Von den Spezies Uberarzthelferinnen, Ubererzieherinnen, Uberomas und Uberneuefreundinnen des Ex-Partners erzähle ich dann beim nächsten mal.

PS: Dieser Beitrag spiegelt nur teilweise meine eigenen Erfahrungen wieder und basiert auch auf Steffis Erzählungen.

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Ein Kommentar zu “Die Ubermamas und Ubersekretärinnen und der Kontrollwahn der Gesellschaft”

  1. 1Yves

    Wenn ich mir so Deine Beiträge anschaue, dann sollten vielleicht mal ein paar mehr Eltern sowie Du sein. Denn mit den „Ergebnissen dieser Erziehung“ bin ich desöftern kopfschüttelnd an der Uni konfrontiert.

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