Zum ersten Mal enttäuscht von der Piratenpartei [Update]
Heute Abend habe ich beim Piratenradio ein wenig zum Thema der geplanten Änderung der Jugendmedienschutz-Staatsvertrags gesprochen. Die Unterhaltung ging schließlich auch in die Richtung, wie wir das Thema Jugendschutz in unserer Familie angegangen haben. Als ich dann erzählte, dass der Jüngste (10 Jahre) via OpenDNS abgesichert wird, und die beiden Ältesten (14, 17 Jahre) vor dem “online gehen” fragen müssen, gab es auf Twitter und auch später im Piratenradio mir ziemlich unverständliche Proteste.
Ganz ehrlich: Ich kann einem 10-Jährigen keinen uneingeschränkten Zugriff auf das Internet gewähren ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Im Internet gibt es dafür zuviel Scheiße, die ein 10-Jähriger, selbst wenn ich es mit ihm reflektierend bespreche, nicht wirklich einordnen kann. Und das ein Jugendlicher nicht mehr als X Stunden vor dem Rechner verbringen sollte, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, oder seine Pflichten zu vernachlässigen, das verstehe ich persönlich als selbstverständlich. Gerade, wenn wie bei unseren Dreien ein ADS vorliegt.
Ich vermute, dass die Personen, die diese Regeln unserer Erziehung kritisierten selbst keine Kinder haben und daher die Situation vermutlich nicht wirklich nachvollziehen können. Jedenfalls hat mich das Unverständnis und die Unreflektiertheit der Anschuldigungen schon getroffen. Steffi sagte dazu: “Ein Kleinkind schicke ich auch nicht zum spielen auf die Straße, ein Kleinkind weiß ja nicht was Verkehr bedeutet.”
Meine Kernaussage war und ist: Jugendmedienschutz fängt bei den Eltern an. Und das heißt nicht nur offen gegenüber den Themen Sexualität und allem was damit zusammenhängt sein, sondern auch, dass es Regeln und Grenzen gibt. Ich spiel immerhin seit Jahren World of Warcraft. Ich weiß wie gefährlich sowas sein kann.
Aber okay, lassen wir unsere Kids doch vor den Computern rumnerden und zu Kellerkindern verkommen. Hauptsache ich habe ihr Internet nicht zensiert.
#FAIL #PIRATEN-
[Update]
In der Aufgewühltheit der Ereignisse habe ich mich zu einer etwas reißerischen Überschrift hinreißen lassen. Ich relativiere das und reduziere es auf “enttäuscht über einige Meinungen von Anhängern der Piratenpartei”. Wobei wir über Twitter die Sachlage inzwischen auch bereits weitgehend ausdiskutiert haben. Trotzdem denke ich, dass wir als Piraten uns diesem Thema annehmen und darüber diskutieren sollten.



1Bernd Eckenfels
geschrieben am 19 Februar 2010 um 2:04
Es ist absolut unerlässlich dass die Eltern ihre Kinder beim Internet konsum begleiten. Nur so kann man sinnvoll Jugendschutz machen. Medienkompetenz statt Zensur.
Bernd
2NDM
geschrieben am 19 Februar 2010 um 2:05
Keine Sorge – das war nicht die Meinung der Partei, es waren Einzelmeinungen.
Ich selbst bin der Meinung, dass Eltern, die ihre Kinder nicht vor Schmuddel schützen(damit meine ich nicht einfach pr0n oder derartiges, sondern insbesondere VT-Zeug, Naziseiten usw), ihren Erziehungsauftrag nicht verstanden haben.
Meine Haltung zu Killerspielen hatte ich mal hier dargelegt, die in deine Richtung stößt:
http://kruppzeuch.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf-in-rheinland-pfalz-verbietet-killerspiele/
3sumosu
geschrieben am 19 Februar 2010 um 2:33
Inhaltlich stimme ich dir vollkommen zu.
Vorweg: Von der “Piratenpartei enttäuscht” zu sein finde ich ein wenig kindisch. Das war nur eine nicht-repräsentative Radiosendung.
Die Piraten sollten, als IT-affine Partei, Wege aufzeigen wie man seine Kinder vor gewissen Inhalten schützen kann. Eltern und Lehrer sollten wissen, wie man Kindern sowohl Freiheit in der Benutzung des Internets geben kann, sie gleichzeitig nicht den heftigsten Mutproben-Pornos ausliefern muss.
Eine technische Möglichkeit, wie man 6, 10 oder 14 Jährigen das Internet beschneidet darf kein Tabu sein, es ist die beste Möglichkeit Kinder an das Medium heranzuführen ohne (als verantwortliche person) sich Sorgen zu machen.
Ganz ohne Zweifel dürfen solche Filter nicht radikal für alle eingeführt werden sondern sollten dem Alter und der Reife der Kinder angepasst sein.
Ich glaube die Piratenpartei ist gefragt hier Technische Lösungen vorzuschlagen oder gar vorzuprogarmmieren. Jugendschutz an sich als Zensur abzulehnen ist mir zu pubertär.
4Dennis Schulz
geschrieben am 19 Februar 2010 um 2:49
Moinsen,
für einen 10 Jährigen mag es ja noch Sinnvoll eine gewisse Zensur einzurichten.
Aber für einen 17 Jährigen halt ich solch eine Massnahme für überzogen, er sollte frei entscheiden können wie und wann er ins Netz geht.
Gerade mit dem Hintergrund das du selber zugibst das der Rechner dein bester Freund mal war, man muß halt Fehler auch machen können.
Man kann nicht überall Schützend eingreifen, man muß selber Erfahrungen sammeln.
Dann hoffe ich mal das dein Sohn nicht am Wochenende um 22 Uhr zuhause sein muß, weil er sonst Gefahr läuft Alkohol zukonsumieren und du ihn auch noch beschützt….
Ich durfte mit 15 quasi wohin ich wollte, und so lange ich wollte, ok meine Eltern wollten zwar ungefährt wissen wo ich bin aber das war ok.
Gruß Dennis
5Marc
geschrieben am 19 Februar 2010 um 3:03
Moinsen Dennis,
nur um’s nochmal ganz klar zu stellen: Lediglich unser Jüngster geht gefiltert ins Netz. Die beiden Großen betrifft dies nicht. Bei den Beiden achten wir lediglich darauf, dass der Internetkonsum zeitlich nicht Überhand nimmt.
Und ich kann dir eins sagen: Wir haben KLASSE Kinder, die aufgeklärt, selber denken und sehr kritisch sind. Darauf sind wir stolz. Unsere ganze Familie ist piratig, das ist toll. :-)
6KinNeko
geschrieben am 19 Februar 2010 um 4:27
Mal sehen ob deine Kinder auch noch so denken, wenn sie gross sind :b Denn deine Noten als Vater bekommst du erst dann *g*
Ich durfte als Kind auch alles.. ausser Privatfernsehen und Cola trinken. Hat dazu geführt, dass ich im Urlaub um 3.00 morgens aufgestanden bin um Zeichnentrick zu schauen und nun massig Cola trinke wo ich nicht mehr zuhause wohne. Party machen war aber drin, übernachten auch, zum Alkohol gebe ich jetzt lieber keinen Kommentar ab :)
Ich denke es ist nicht nur wichtig wie lange man online ist, sondern auch was man tut. Wenn jemand 4 Std WoW spielt finde ich das viel schlimmer als wenn jemand 6 Std in Wikipedia stöbert weil das Fernsehprogramm so langweilig ist. Ich denke man muss Kindern und Jugendlichen gezielt die Möglichkeiten des Netzes näher bringen.
Ausserdem ist es wichtig Prioritäten zu setzen. Wenn man aus Langeweile im Netz hängt finde ich das okay, wenn man auf reallife Spaß verzichtet um online zu sein, finde ich das nicht mehr okay. Die Betonung liegt dabei auf “Spaß”.. also nicht wundern wenn das Kind lieber im Internet rumhängt als aufzuräumen ;)
7Alexander
geschrieben am 19 Februar 2010 um 7:37
@Marc: Ich finde ihr macht das ganz richtig so und das Ergebnis gibt euch schließlich recht! ;)
8Marc
geschrieben am 19 Februar 2010 um 12:42
Danke Alex, sehe ich genauso. Die Kids alle drei sind klasse und um unsere Benotung als Eltern mache ich mir keine Sorgen, wir haben doch ein super Verhältnis zu den Dreien.
@KinNeko Du schreibst “wenn man auf reallife Spaß verzichtet um online zu sein, finde ich das nicht mehr okay”. Genau das war teilweise bei uns schon ein Problem, deswegen die Regeln und es funktioniert gut so.
9KinNeko
geschrieben am 19 Februar 2010 um 15:39
Da ich keine Kinder habe, kann ich schlecht mitreden :)
Aber bei meinen Freunden schrillt dann die Alarmglocke, wenn sie auf Cocktails verzichten um WoW zu spielen.
Aber ich habe ja gut reden.. bin ja mittlerweile auch so alt, dass ich noch die Zeiten miterlebt habe, wo man sich in Real treffen musste um gemeinsam Computer zu spielen :)